EINE GESCHICHTE ZUR HÄNDEHYGIENE

Langzeitengagement: „Clean Care is Safer Care“

Rück- und Ausblick: Seit mehr als 10 Jahren läuft das WHO-Programm, um mit verbesserter Händehygiene Krankenhausinfektionen vorzubeugen.

Nach WHO-Schätzungen sind weltweit Hunderte Millionen Patienten von Healtcare Associated Infections (HAI), auch Krankenhausinfektionen genannt, betroffen. „Menschen sterben oder erkranken schwer aufgrund von methicillinresistenten Staphylococcus-aureus-Bakterien (MRSA) und anderen ernsthaften therapieassoziierten Infektionen“, sagt Professor Didier Pittet, von der Uniklinik Genf und externer Leiter der des WHO-Programms: „Clean Care is Safer Care“. „Durch einfache Händedesinfektion können Pflegekräfte entscheidend dazu beitragen, dass solche Krankheiten vermieden werden und die Anzahl der globalen Infektionen verringern.“

Pittet zur Kampagne der WHO

„Clean Care is Safer Care“ wurde im Oktober 2005 ins Leben gerufen und läuft seit mehr als zehn Jahren. Inhaltlicher Fokus ist das Thema Händehygiene des medizinischen Personals. Ziel ist die Anzahl von Krankenhausinfektionen und deren Auswirkungen zu minimieren. Teilerfolge konnten bereits verbucht werden, auch wenn noch viel zu tun ist, wie Pittet im folgenden Interview erklärt.

Professor Didier Pittet, Leiter des Programms für Infektionskontrolle am Genfer Universitätskrankenhaus und der medizinischen Fakultät der Universität Genf sowie Externer Leiter der First Global Patient Safety Challenge: Clean Care is Safer Care

Warum ist Händehygiene wichtig im Kampf gegen Krankenhausinfektionen?

Pittet: Händehygiene ist der erste Schritt, um therapieassoziierten Infektionen und die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen zu verhindern. Leider ist die Einhaltung dieser Praxis in vielen Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen noch nicht auf dem wünschenswerten Niveau, obwohl sich die Situation durch das Engagement der WHO und ihr Programm in diesem Bereich stark verbessert hat. Fünf kritische Komponenten werden dabei beachtet: Aufklärung der Pflegekräfte, Überwachung und Performancefeedback, Erinnerungen am Arbeitsplatz und die Einführung einer Sicherheitskultur in der Einrichtung. Letzteres bezieht sich u.a. auf den systematischen Rückgriff auf Handdesinfektionsmittel auf Alkoholbasis und ihre Nutzung entsprechend der Vorgaben des WHO Modells: „Die fünf Momente der Händehygiene“. Der Umsetzungsfortschritt kann auf Einrichtungsebene regelmäßig im Rahmen des Selbstbewertungssystems der WHO für Händehygiene überprüft werden. Die weltweit besten Krankenhäuser konnten so identifiziert und mit dem „Hand Hygiene Excellence Award“ausgezeichnet werden.

Wenn Sie sich vorstellen, diese Kampagne wäre nach einigen Jahren eingestellt worden oder gar nicht erst ins Leben gerufen worden – auf welche Errungenschaften müssten wir heute verzichten?

Pittet: Die erfolgreiche Förderung der Händehygiene hat zu einer signifikanten Senkung der therapieassoziierten Infektionsraten weltweit und somit zu geringeren Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten geführt und Ressourcen der Gesundheitssysteme freigesetzt. Den Schätzungen zufolge hat die WHO Kampagne „Clean Care is Safer Care“durch verbesserte Händehygiene jährlich zwischen 5 und 8 Millionen Menschen das Leben gerettet.

Die Kampagne soll für die besondere Bedeutung der Händehygiene im Rahmen der Patientensicherheit sensibilisieren. Nach mehr als 10 Jahren erfolgreichem Engagement, was bleibt zu tun?

Pittet: Wir haben viele Kliniken und Gesundheitseinrichtungen weltweit erreicht und dort Erfolge erzielt, aber eben noch nicht alle. Unser Ziel ist wirklich alle zu erreichen, überall da wo Pflege stattfindet. Das ist noch ein weiter Weg. Bisher haben sich mehr als 20.000 Krankenhäuser in 179 Ländern bei der Kampagne „Save Lives – Clean Your Hands“ angemeldet. Wenn jedes teilnehmende Krankenhaus noch drei weitere motivieren könnte, würden wir viel schneller vorankommen, wir könnten die Sicherheit von mehr Patienten verbessern und wir würden vor allem mehr Leben retten. Ein Video fasst die Errungenschaften der ersten 10 Jahre eindrucksvoll zusammen, dass für uns ein Türöffner zum Thema war. 2016 wird die WHO eine neue Sektion für Infektionsprävention und -kontrolle einrichten und sich vielen neuen Herausforderungen widmen. Hierzu gehört, dass Erfolgsparameter wie die Ausbreitung und die Nachhaltigkeit unserer Anregungen und Empfehlungen verstanden werden müssen. Zudem müssen wir Maßnahmen und Werkzeuge einführen, die uns helfen, bisher Erreichtes zu bewahren und weitere Verhaltensveränderungen auf den Weg zu bringen.

WHO und B. Braun

B. Braun ist Teil der Private Organisation for Patient Safety (POPS) der Weltgesundheitsorganisation WHO. Ziel ist, auf der Grundlage des WHO-Programms „Clean Care is Safer Care“ eine Verringerung der therapieassoziierten Infektionen durch Verbesserungen in der Händehygiene herbeizuführen. B. Braun engagiert sich dafür, das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Händehygiene weltweit zu schärfen.